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Nach knapp 30 Jahre im Geschäft haben AEROSMITH genug erlebt um feststellen zu können, dass Limp Bizkit gar nicht schlecht sind, Britney Spears einen süßen Hintern hat, und Liv Tyler offensichtlich einen Briten heiratet. Aber das geht in Ordnung, denn er ist Musiker...
München, Freitag, 23.03.01, 19.00 Uhr. Nur wenige Stunden nach dem anberaumten Termin betreten fünf schlaksige, gutgelaunte Rock n´ Roller im besten Alter die ARRI-Studios um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Der Anlass: 2 Tage später findet im Münchner Babylon das einzige AEROSMITH-Europakonzert in diesem Jahr statt. Ein spontaner Club-Gig, ganze 2 Tage vorher angekündigt. Die Pressekonferenz ist ebenfalls die einzige in Europa. Dementsprechend bunt ist die Mischung der Journalisten: Spanier, Italiener, Engländer, Franzosen, alle frisch vom Flughafen, sitzen nervös neben ihren Reisetaschen und gieren auf eine exklusive Story. Bereitwillig gaben die Herren von AEROSMITH Auskunft über das kürzlich erschienene dreizehnte Album „Just Push Play“, über Tourneepläne, über Frauen und über Drogen. A propos... AEROSMITH wirken überraschend frisch und clean, mit Ausnahme von Gitarrist Joe „ich trage gerne Sonnenbrillen, auch wenn es stockdunkel ist, und wanke nur leicht durch den Raum“ Perry! sound.de war für Euch dabei und hat mal geschaut, was der europäischen Musik-Journalisten-Elite so unter den Nägeln brennt.
Warum gerade München?
(diese Frage haben sich wirklich viele gestellt, besonders die Kollegen aus London...)
Steven Tyler: „Das hat keinen bestimmten Grund. Es hätte genauso gut jede andere Stadt in Europa sein können. Wir wollten auf alle Fälle eine Club-Show spielen. Die Stadt war uns dabei egal. München hat sich einfach gerade angeboten“.
Ihr seid letzte Woche in die ROCK & ROLL HALL OF FAME aufgenommen worden. Was ist das für ein Gefühl für euch?
Steven Tyler: „Seltsam, sehr seltsam. Denn die meisten wirklich großen Bands in der Rock & Roll Hall Of Fame haben ihre Karriere bereits beendet. Und unsere Karriere ist noch lange nicht vorbei. Wir sind immer noch hart am arbeiten. Aber wir arbeiten schon so lange, dass es mal ganz nett ist, beachtet zu werden“.
Joey Kramer: “Es sind viele Bands in der Rock & Roll Hall of Fame, die uns stark inspiriert haben, besonders LED ZEPPELIN oder auch QUEEN. Und es ist schon ein bemerkenswertes Gefühl, mit all diesen Bands gleichgestellt zu werden. Darauf bin ich sehr stolz“.
Derzeit sind so viele pessimistische und depressive Bands groß in der Rockszene vertreten. Sollte Rock n´ Roll nicht etwas positives ausstrahlen?
Joe Perry: “Rock n´Roll hat viele verschiedene Bedeutungen, für jeden Mensch bedeutet es etwas anderes. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern fühlte mich zu keiner Zeit vom Leben angepisst. Die Art von Rock n´Roll, mit der AEROSMITH groß geworden ist, basiert auf positiven Schwingungen. Und die heutigen Bands, das ist nichts Neues. Als wir anfingen, Musik zu machen, gab es auch schon eine Menge dieser angepissten Bands.“
Zur Veröffentlichung von „Nine Lives“ habt ihr nicht die beste Zeit durchgemacht. Ihr hattet interne Streitereien und Probleme mit der Plattenfirma. Was hat euch die Kraft gegeben, nach so kurzer Zeit mit einem neuen Album zurückzukommen?
Steven Tyler: „Im Großen und Ganzen schöpfen wir am meisten Kraft daraus, einfach unseren Traum zu verfolgen. Das Gefühl ist unbeschreiblich, mit Deiner eigenen Musik was zu erreichen. Das gibt Dir die Kraft, Tiefpunkte zu überstehen. „Just Push Play“ haben wir zu einem Großteil selbstproduziert. Auch das hat uns neue Impulse gebracht“.
Joey Kramer: “Man muss irgendwann aufpassen, dass außenstehende Faktoren wie Plattenfirmen oder Meinungsverschiedenheiten nicht wichtiger werden als die Musik. Dann wird´s gefährlich, das haben wir am eigenen Leib erfahren. Die Musik ist bei diesem Spiel die allerwichtigste Sache, das muss einer Band immer bewusst sein“.
Eine Frage für Steven: Ich habe gelesen, dass deine Tochter Liv schwanger werden will. Was ist das für ein Gefühl für dich, Großvater zu werden?
Steven Tyler: „Oh ja, mir gefällt die Art, wie du diese Frage formuliert hast! Ich werde langsam alt und so..! Aber im ernst, ich hab noch nichts davon gehört, dass sie schwanger werden will, und wenn, dann ist es eine tolle Sache. Sie lieben sich wirklich und ich kann es kaum erwarten. Ich kenne ihren Freund, er ist sehr sympathisch, er hat auch eine Band, SPACEHOG (sein Name ist Royston Langdon, Bassist). Wir verstehen uns prima. Vor ein paar Wochen hat er mich angerufen und um die Hand von Liv angehalten. Ich mag ihn wirklich“.
Aber er ist Brite...
Steven Tyler: „ Ja schon, aber er ist Musiker“.
Zurück zum neuen Album. Bei den letzten Platten habt ihr immer mit großen Namen wie DESMOND CHILD als Co-Songwriter gearbeitet. Bei „Just Push Play“ unterstützen euch zwei Herren namens Marti Frederiksen und Mark Hudson. Wer sind die?
Joe Perry: „Wir kennen die beiden schon sehr lange. Es sind zwei echte `Stone Cold Rocker´, aber sie haben uns auch beim Programmieren der Samples und Drums geholfen. Wir haben einfach gut zusammengepasst und es hat viel Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten“.
Ihr habt für den Soundtrack von „Amaggedon“ mit „I Don´t Wanna Miss A Thing“ einen großen Hit gelandet. Habt ihr neue Soundtrack-Pläne?
Tom Hamilton: „Wir haben noch einige gute Songs, die nicht veröffentlicht wurden. Aber das mit den Soundtracks planen wir nicht. Das läuft meistens so ab, dass irgendein Produzent zufällig irgendetwas hört und sagt: `Das wäre gut für diesen oder jenen Film´. So was passiert eher zufällig“.
Auf Eurem neuen Album habt ihr einen Song, der sehr zeitgemäß klingt, „In Your Head“, ...
Steven Tyler unterbricht: „Hey, der Song heißt `Outta Your Head´, pass bloß auf, das hier könnte gefährlich für dich werden“.
… Entschuldigung, „Outta Your Head“. Jedenfalls klingt er sehr zeitgemäß. Ihr habt in den 80ern mit RUN DMC `Walk This Way´ aufgenommen, einen der ersten Crossover-Songs, wenn man so will. Habt ihr jetzt bewusst versucht, wieder moderne Sounds a la LIMP BIZKIT in eure Musik einzubringen?
Steven Tyler: „Der Song klingt ganz einfach sehr frisch, der Beat ist unglaublich mitreißend, deshalb haben wir ihn aufgenommen. Es hat einfach alles gestimmt“.
Joe Perry: „Aber es stimmt, wir hören viele dieser neuen Bands, die STONE TEMPLE PILOTS zum Beispiel, die sind absolut großartig. Genau wie die SMASHING PUMPKINS oder auch LIMP BIZKIT. Und sicherlich beeinflussen uns diese Bands auch“.
Beim Super-Bowl habt ihr in der Pause zusammen mit BRITNEY SPEARS gespielt. AEROSMITH sind den langen harten Rock n´ Roll-Weg gegangen. Wie viel Respekt habt ihr vor diesen reinen Pop-Produkten?
Joe Perry: „ Das kannst man nicht vergleichen. Aber Britney ist in diesem Geschäft seit sie 6 Jahre alt ist, NSYNC genau so. Die haben alle ihre Berechtigung“.
Steven Tyler: „And she can sing her ass off, but I hope she never does...“
Was haltet ihr von elektronischer Musik?
Steven Tyler: „ Ich liebe elektronische Musik. Ich mag das hypnotische, es ist alles so ´in time`. Ich habe schon in den 60ern elektronische Musik gehört. Wir haben manchmal schon versucht, das mit einzubauen, z.b. bei den Drums auf ´Young Lust` (von ´Pump`)“.
Tom Hamilton: „Als wir ´Nine Lives` herausbrachten, haben alle gesagt: ´Hey, das ist ja ein reines Gitarrenalbum, so was macht doch keiner mehr´, also fangen wir am besten schnell an, elektronische Musik zu lernen“.
Was sind Eure größten Träume für die Zukunft?
Steven Tyler: „Ich möchte noch irgendwann mal in einem Spaceshuttle auftreten, Ich würde gern sehen, ob ich in der Schwerelosigkeit singen kann“.
Tom Hamilton: „Ich möchte versuchen, irgendwann meinen Beruf und mein Privatleben aufeinander abzustimmen. Das ist so ziemlich die schwerste Aufgabe, die ich je hatte“.
Ihr kennt die ganze Welt, wie gefällt euch München?
Steven Tyler: „Es ist toll, meine Großmutter ist von hier in der Nähe (Steven nennt den Namen einer Ortschaft, den keiner versteht, geschweige denn kennt). Vielleicht haben wir noch Zeit und können in eines dieser „Bavarian Meathouses“ (??) gehen. Aber ich habe gehört, wir müssen mit dem Fleisch in Deutschland aufpassen. Sonst sind wir wieder genauso drauf wie damals in den Siebzigern“.
Was haltet Ihr davon, dass Ihr in den U.S.A derzeit nur Nr. 2 seid, nach der DAVE MATTHEWS BAND, habt Ihr deren Album gehört?
Steven Tyler: „Die DAVE MATTHEWS BAND ist o.k., ich hab mir die Platte angehört. Es ist nicht wirklich mein Ding, aber ich kann nachvollziehen, was die Leute daran lieben: die Freiheit, die ´Grateful Deadness`, die Tatsache, dass sie 5 Stunden live spielen. Trotzdem muss „ Just Push Play“ Nr. 1 werden (gemeines Grinsen)”.
Steven, ist es wahr, dass du dich beim Fußball-Arzt Dr. Müller-Wolfahrt wegen Deinen Rückenproblemen untersuchen hast lassen, als du das letzte Mal in Deutschland warst? Und hast du wieder einen Termin?
Steven Tyler: „Ja, das stimmt, er ist ein toller Arzt, und er hat unglaubliche Arzthelferinnen. Leider habe ich dieses Mal keinen Termin bekommen“.
Wie sind Eure Tourneepläne?
Joe Perry: „Momentan sind wir auf einer Presse-Tour. Nach Europa ist Japan dran. Die reguläre Tour wird vorrausichtlich noch dieses Jahr in Amerika starten. Wir hoffen also, schon nächstes Jahr in Europa zu sein“.
Wie lange wollt Ihr noch weiter machen?
Joe Perry: „Na ja, was sollten wir denn sonst tun?“
bravenet.com